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Über den Sinn und Unsinn von Krankheiten

Während ich diese Zeilen schreibe, liege ich mit einer Erkältung auf der Couch. Der Hals schmerzt, der Körper ist schwach und erschöpft. Vor drei Jahren hätte ich in diesem Zustand mit Sicherheit im Büro gesessen und all die "wichtigen" Dinge erledigt, die von mir erwartet wurden und für die ich mich zuständig fühlte. Heute weiß ich es zum Glück besser. Ich weiß, dass mein Körper gerade mit mir spricht. Er sagt mir sehr deutlich: "Anne, es war viel in letzter Zeit. Kannst Du mich bitte etwas weniger strapazieren? Ich möchte wieder mehr schlafen und mehr Pausen haben. Ginge das bitte?" Und ich sage ihm: ja, das geht. Denn heute ist meine Gesundheit meine oberste Priorität. Das habe ich vor meiner Brustkrebserkrankung anders gesehen.


Hast Du Dich schonmal gefragt, was Dein Körper Dir in manchen Situationen sagen will? Oder glaubst Du, dass wir eben "einfach krank" sind - ohne tieferen Sinn? Ich meine, man muss dafür gar nicht wahnsinnig spirituell sein, es reicht schon, wenn man achtsam mit sich und seinem Körper ist. Vielleicht sendet er uns ja doch eine Botschaft und will uns auf Missstände in unserem Leben hinweisen. Ich kann das für meine Krebserkrankung definitiv so bestätigen. Ich wurde wachgerüttelt und das ziemlich unsanft. Auf einmal war ich gezwungen, nicht so weiterzumachen wie bisher. Wie auch. Ich kann für mich sagen, dass ich zugehört habe und heute viele Dinge anders sehe und auch danach handle. Wenn ich krank bin - so wie jetzt - dann bin ich krank und schenke meinem Körper die Ruhe, die er braucht.


"Ja den Luxus kann sich aber nicht jeder leisten", diesen Satz habe ich schon oft gehört, wenn ich über dieses Thema spreche. Und ja, viele Menschen sind in wirklich fürchterlichen Umständen, haben strukturell oder finanziell nicht die Möglichkeit sich einfach ein paar Tage krank zu melden. Das ändert aber nichts daran, dass das Ergebnis das gleiche ist, nämlich, dass dem Körper das ziemlich egal ist. Unser Körper ist ein wahres Wunderwerk, das tagtäglich alles dafür tut, um uns fit durchs Leben zu bringen. Aber manchmal ist einfach Ende der Fahnenstange. Und oft - nicht immer - haben wir uns das selbst zuzuschreiben. Also egal, ob wir "es uns leisten können" oder nicht - das Leistungsvermögen unseres Körpers hat irgendwann eine Grenze.


Ich habe selbst und in meinem Umfeld erfahren müssen, wie es ist, wenn auf einmal Schluss ist. Wenn der Körper nicht mehr nett fragt um ein paar Tage Pause. Sondern wenn er sich die Pause einfach nimmt. Mir ist es eine Herzensangelegenheit, Menschen die Augen zu öffnen und vielleicht dazu beizutragen sie davor zu bewahren, das zu erleben, was ich erlebt habe. Es ist eben nicht immer selbstverständlich, dass alles so weitergeht und dass es immer gut ausgeht.


Und so wünsche ich mir, dass auch Du vielleicht jeden Tag ein bisschen mehr auf deinen Körper hörst. Dass Du Dich vielleicht mal fragst: Warum bekomme ich jetzt die Erkältung? Warum habe ich seit Jahren mit Entzündungen oder Verdauungsbeschwerden zu kämpfen? Ist mein schlechtes Hautbild vielleicht doch Spiegel meiner Seele? Und dann wünsche ich mir, dass Du Deinen Körper erst nimmst und ihm hilfst, wieder stark und kraftvoll zu werden. Und ihm eine Pause zu gönnen.


Lebensfrohe Grüße,

Deine Anne

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